Familie, Kinderwunsch, Unfruchtbarkeit: Motivationen und by Christa Brähler

By Christa Brähler

Der Terminus "Insemination" bezeichnet das Einbringen von Samenfiiissigkeit in den Genitaltrakt einer Frau. Normalerweise findet dieser Vorgang wahrend der Kohabitation statt. Bei artifizieller Insemination wird das durch Masturbation gewon nene Sperma mit Hilfe einer Knopfsonde oder einer Portio-Kappe appliziert. Bei der homologen Insemination (A.I.H., d.h. man made insemination with semen derived from the husband) wird der Samen des Ehemannes inseminiert. Bei der heterologen Insemination (A.I.D., d.h. synthetic insemination with semen derived from the donor) wird der Samen eines anonymen Spenders inseminiert (Beuerlein 1963). Die heterologe Inseminationsbehandlung ist eine Moglichkeit der Bewaltigung mannlicher Sterilitiit. Ob diese Methode flir die Paare hilfreich ist oder bestehende Familienstrukturen in Frage stellt oder gar zerstiirt, dariiber gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Die Zeugung eines Kindes mit Spendersamen und die Definition der daraus entstehenden Verwandtschaftsverhaltnisse hat nicht nur Auswirkungen auf die betroffenen Ehepaare und auf die spatere Eltern-Kind-Bezie hung. Die Fremdsameniibertragung flihrt zu genealogischen Sachverhalten, die auch juristische und soziologische Fragen aufwerfen. Die vorliegende Arbeit entstand in Zusammenhang mit einem Beratungs- und Behandlungsprogramm flir infertile Paare, in der Abteilung flir Andrologie und Venerologie der Universitatsklinik GieBen, unter der Leitung von Prof. Dr. med. W. Meyhofer. 1m theoretischen Teil der Arbeit wird die gesellschaftliche und individuelle Bedeutung von Elternschaft herausgearbeitet. Kulturanthropologische und historische Vergleiche von Familienstrukturen zeigen die Abhangigkeit der Sozialisationsagentur Familie von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen. Regeln und Tabus einer Familienform und die spezifische Interaktion zwischen den Familienmitgliedern pragen die individuelle Personlichkeit der Kinder.

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Doch die groBere Entscheidungsfreiheit bedeutet auch einen Entscheidungszwang fUr Mann und Frau (Bullinger 1985; Lidz 1979). So wird die funktionelle Sterilitat als Ergebnis ungelOster Ambivalenzkonflikte in der Entscheidung fUr oder gegen ein Kind verstanden (Goebel und Dieckhoff 1983; Goldschmidt und Jiirgensen 1984; Stauber 1979, 1982). Jiirgens und Pohl (1975) gehen davon aus, daB das generative Verhalten eines Menschen von drei Faktoren bestimmt wird, dem biologischen Konnen (physiologischer Rahmen), dem sozialen Diirfen (sozial-institutioneller Rahmen) und dem personlichen Wollen (Bereich der individuellen Lebensgestaltung).

Lebensjahr deutlich als Mann von der Mutter unterschieden wird. Fain (1971) geht davon aus, daB eine , Vorstellung vom Vater und der Beziehung der Eltern untereinander bereits durch die Mutter vermittelt wird. Durch die Beziehung zur Mutter ist der Vater von Anfang an prasent. Moeller (1986) halt deshalb die erotische Beziehung der Eltern fUr einen wichtigen Faktor der kindlichen Entwicklung. Eine erfUllte Beziehung der Eltern laBt die Mutter auf ihre magische Macht verzichten und schutzt das Kind vor narziBtischer Ausbeutung.

Ihm fehlt wahrend der Schwangerschaft eine eigenstandige Aufgabe, deshalb wird er in unserer Gesellschaft geme belachelt und als tollpatschige Witzfigur dargestellt. GefUhle des Ausgeschlossenseins und der Unsicherheit sind kein offentliches Thema. Das moB jeder Mann fUr sich alleine bewaltigen. Die Befragungen von Vatem zeigen, daB besonders die Distanz zum Kind und das Ausgeschlossensein aus der MutterKind-Einheit vielen Mannem Probleme macht (Bullinger 1985; Friedrich et al. 1985; Hirsch 1984).

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