Deutsche und Tschechen: Symbiose — Katastrophe — Neue Wege by Rudolf Hilf

By Rudolf Hilf

Dieses Buch "Deutsche und Tschechen" erschien erstmals im Jahre 1973 in deutscher Sprache in der Reihe "Aktuelle Außenpolitik" des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn. 1986 wurde es als Taschenbuch neu aufgelegt. 1973 warfare das Jahr des Normalisierungsvertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der CSSR. Der Autor nahm zu die­ ser Zeit als Referent an einer Beratung führender Vertreter aller Par­ teien im Rahmen der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik teil und schrieb das der Beratung zugrundeliegende Diskussionspapier. 1986, zum Zeitpunkt der zweiten Auflage struggle bereits klar, daß die Dinge in der Sowjetunion und demzufolge auch in Mitteleuropa in Be­ wegung geraten würden. Aus diesem Anlaß wurde ein Exkurs "Die deutsche Frage in einer anderen Sicht" beigefügt, der zwar drei Jahre später durch die Ereignisse überholt wurde, der aber trotzdem unver­ ändert in die neue Ausgabe übernommen wird. Vorauszusehen battle damals nicht, daß die Sowjetunion in der deutschen Frage so überra­ schend schnell kap'itulieren würde. Jedoch nicht nur deshalb, sondern auch infolge der Uberzeugung des Autors, daß eine bloße Restaurie­ rung des deutschen Nationalstaates bismarckscher Prägung, so als ob es die beiden Weltkriege gar nicht gegeben hätte, den Sinn der deut­ schen Geschichte verfehlen würde, wurden in diesem Exkurs Thesen vertreten, die sich insofern nicht bewahrheitet haben, als der deutsche Nationalstaat in der Tat zurückkehrte und den deutschen Politikern ohne viel eigenes Zutun in den Schoß fiel.

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Aus einer Zeit, die von anderen Ordnungsfaktoren bestimmt war als die nun anhebende. Die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Land, die Treue zu Land und Volk repräsentierenden Krone, die Bindung in eine nur wenig flexible Stände- und Wirtschaftsordnung, schließlich die religiöse confessio setzten den Maßstab. Sprache und volkliche Herkunft gehörten nicht wesentlich dazu. Diese Struktur, die das alte Europa charakterisiert hatte, wurde bereits im voll ausgebildeten Absolutismus relativiert, indem dem Teilfaktor der monarchischen Spitze die alles überragende Bedeutung zuerkannt wurde.

Hier sind dann - wie FrantiSek Graus sagt - die Gewichte so ungleich verteilt, daß die Ausgleichsversuche immer wieder scheitern. Mit einem deutschen Neustamm in Böhmen, der zwei Fünftel der Bevölkerung umfaßt, hätten sich die Tschechen ausgleichen können und ausgleichen müssen, so wie die Wallonen und Flamen im Staat Belgien miteinander existieren können. Indirekt wäre damit auch der Ausgleich mit der ganzen deutschen Nation geschehen. Ein direkter Ausgleich des kleinen tschechischen Volkes aber mit dem Gesamtdeutschtum mußte immer wieder an der Angstbarriere scheitern: an der Vorstellung, daß Zugeständnisse an die Deutschen Böhmens in Form einer verwaltungsmäßigen Zweiteilung des Landes die tschechische Nation auf Gedeih und Verderb dem übermächtigen Druck eines 70- oder 80- Millionen-Volkes aussetzen würden.

Friedrich Prinz, Die böhmischen Länder von 1848 bis 1914, in: Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder, Bd. III, S. ) Zwischen diesen Positionen war kaum ein Ausgleich möglich. Das Problem einer Verständigung durch ein Abgleichen der Standpunkte und Zielsetzungen beginnt dort, wo beide sich wieder auf dem gemeinsamen Boden der Erhaltung des österreichischen Vielvölkerstaates treffen. Jeder Ausgleich war indes von Anfang ~ dadurch gefährdet, daß Tschechen wie Deutsche in der Erhaltung Osterreichs keinen unbedingt geltenden Endzweck mehr sahen.

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